Ausgerechnet Apple verkauft plötzlich die günstigen Schaufeln
Gestern hat Apple den neuen Mac Studio mit M3 Ultra vorgestellt, und ich hatte ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet. Die M4-Linie ist seit letztem Frühjahr in der Welt, der M4 Max steckt schon in meinem Macbook, und dann schiebt Apple plötzlich noch einen Ultra auf Basis der vorherigen Generation nach. Allein das ist schon ein seltsamer Launch.
Der eigentliche Paukenschlag ist für mich aber woanders. Bis zu 512 GB Unified Memory. Das ist nicht einfach nur viel. Das ist doppelt so viel, wie ich vor dieser Ankündigung realistischerweise erwartet hätte. Für lokale LLMs ist genau das der Punkt. Nicht noch ein bisschen mehr Benchmark-Futter, sondern genug zusammenhängender Speicher, um wirklich große Modelle überhaupt auf einer einzelnen Maschine unterzubringen.
Damit kippt für mich auch die Preisdebatte. Eine große M3-Ultra-Konfiguration in Richtung 10.000 Euro klingt im ersten Moment absurd teuer. Im normalen Desktop-Markt ist sie das auch. Im Markt für Inferenzhardware ist das aber einfach super günstig. Im Goldrausch verkauft man Schaufeln, und NVIDIA hat sich dieses Schaufelgeschäft in den letzten Monaten sehr aggressiv bezahlen lassen. Dass ausgerechnet Apple hier plötzlich wie die preisgünstige Alternative aussieht, hätte ich nicht kommen sehen.
Ich halte das nicht für Nerd-Spielzeug. In meiner Welt stocken KI-Projekte sehr schnell, sobald sensible Dokumente, Kundendaten oder proprietärer Code die eigene Umgebung verlassen sollen. Dann geht die eigentliche Diskussion los: Datenschutz, Betriebsrat, Compliance, Beschaffung. Bisher musste man bei wirklich großen lokalen Modellen entweder stark abkürzen oder sofort in Spezialhardware denken. Ein Mac Studio in dieser Klasse macht daraus eine nüchterne Architekturentscheidung. Stelle ich mir für solche Workloads eine lokale Maschine hin, oder schicke ich weiterhin alles nach außen?
Dass man 2025 über ein Apple-Gerät sagen kann “gemessen an vergleichbarer Inferenzkapazität fast schon unverschämt billig”, stand wirklich nicht auf meiner Bingo-Karte.